Einsegnung Maria Mutter Europas

12 Sterne-Kurier Nr. 76/Herbst 2020: Sternenkranz in Luzern

Einen Brief wie diesen wird es nicht mehr geben. Denn er ist einem besonderen Meilenstein in besonderen Zeiten gewidmet.

Wir haben ja schon des öfteren darüber berichtet, dass mit dem Beitritt der Mariahilfkirche in Luzern der 12 Sterne-Kranz Mariens aus der Offenbarung des Johannes (Offb 12,1ff.) und auch aus der Europaflagge vollständig wird. Vollendet wurde dies jetzt am 18. Juli, als P. Notker die wegen der Corona-Pandemie verschobene Wallfahrt nach Luzern nachholen konnte. Im Beisein weniger Beteiligter wurde Eucharistie gefeiert und die Emaille-Plakette „Maria Mater Europae“ ebenso gesegnet wie die von Magdalena Schmidt gestiftete Marienkerze und ihr Fürbittbuch mit goldenen Lettern. P. Notker lässt noch einmal die gesamte Entwicklung der letzten Jahre Revue passieren und berichtet uns aus Luzern:

Nun leuchten alle Sterne (Offbg 12,1]

Der 12er-Kreis hat sich mit Maria Hilf in Luzern geschlossen. Vom Benediktinerinnenkloster Engelthal, Altenstadt/Hessen, wurde ich am Freitagnachmittag des 17. Juli nach Meßkirch gebracht, übernachtete hier und fuhr zusammen mit Stefan Blanz, einem Oblaten der Erzabtei Beuron, am nächsten Morgen in die Schweiz nach Luzern am Vierwaldstädter See. Hier fand am Samstag, den 18. Juli um 10.30 Uhr, der Fest-Gottesdienst für die Überreichung der Ehrenplakette „Maria Mater Europae“ für diese Barockkirche Maria Hilf in Luzern statt. Mit dieser Festlichkeit hatte sich der 14-jährige Kreis von 2006 bis 2020 der Errichtung der 12 Kirchen mit diesem Europa-Titel für die Gottesmutter Maria vollendet. In einer würdigen Form, die ich hier zur Freude vieler Marien-Verehrer schildern möchte. Es passieren in der katholischen Kirche auch heute noch „Zeichen und Wunder“.

Richte deinen Blick auf Maria

Viktor Josef Dammertz OSB, em. Bischof von Augsburg, betonte in seiner Weihe-Predigt der Kapelle „Maria Mutter Europas“ oben auf dem Gnadenweiler bei Bärenthal und Beuron am 9. Juni 2007: „Papst Johannes Paul II. hat immer wieder betont, dass Europa seine christliche Seele wiederentdecken müsse. Ein Abschied vom Christentum oder auch nur eine spürbare Verflüchtigung christlicher Substanz würde unserer europäischen Identität, unserer Kultur und unserem Zusammenleben in der Gesellschaft einen schweren Schaden zufügen… Gerne greifen wir den Wunsch von Papst Johannes Paul II. (inzwischen heiliggesprochen) auf, der uns zugerufen hat: „Kirche in Europa, richte deinen betrachtenden Blick auf Maria und erkenne, dass sie mütterlich und teilnahmsvoll anwesend ist bei den vielen Problemen, die heute das Leben des Einzelnen, der Familien und der Völker begleiten“ (Ecclesia in Europa, 124). Den Blick Europas auf Maria zu wenden ist Kern-Anliegen unseres 12 Sterne-Projekts.

Das Finden und Errichten der Gebets-Stätten

Nachdem Gnadenweiler in Süddeutschland geweiht war, auch unter großer Zuneigung und Mithilfe von Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Freiburg, wurde die zweite Kapelle und damit die Geburtsstunde des Gebetsverbundes in wunderbarer Weise initiiert. Pfarrer Erich Maria Fink aus Beresniki im Ural/Russland besuchte bei einem Heimaturlaub im Allgäu den neugeweihten Gnadenort und schrieb eine Verbrüderungs-Urkunde ins Fürbittbuch hinein „Beresniki-Gnadenweiler“. Mit Genehmigung des Erzbischofs von Moskau war so die zweite Stätte des Weges zu den zwölf Sternen geboren, die dritte war Gibraltar, ganz im Westen Europas, es folgten Reykjavik im Norden, Malta im Süden.

Seit ich in Engelthal bin durfte ich mit der Gnade Gottes und der Hilfe vieler weitere Marienstätten in den Gebetsverbund aufnehmen: Buchboden in Österreich, Pannonhalma in Ungarn, Doroslovo in Serbien, Charkiw in der Ukraine, Pfaffenheim in Frankreich, Opole in Polen und schließlich jetzt die Maria-Hilf-Kirche in Luzern in der Schweiz. Alle Kirche im Segen des verantwortlichen Diözesan-Bischofs. Deo gratias.

Pro-Maria-Hilf-Luzern

Im oberen Teil des Melchtals über Flüeli in der Schweiz beim Bruder Klaus mache ich jährlich meine Ferien im Haus Bethanien/St. Niklausen. Hier lernte ich den Schönstatt-Priester P. René Klaus kennen, der zugleich Rektor Ecclesiae der Maria-Hilf-Kirche in Luzern ist. Nach einem Gespräch stellte S.E. Bischof Felix Gmür das Heiligtum in Luzern für die Friedens-Mission „Maria Mutter Europas“ zur Verfügung: Der Zwölferkreis der Sterne Mariens kann somit zum Leuchten kommen. „Das Gebet für die Völker Europas für Frieden und Evangelisierung unterstützt der Bischof von Basel. In den vergangenen Jahrhunderten durften Menschen in Europa immer wieder den Schutz der Gottesmutter Maria erfahren. Sie auch künftig um ihren Schutz und ihre Fürbitte anzurufen, bleibt wichtig. Die Mariahilfkirche in Luzern wird seit 2012 als „Haus und Schule des Gebetes“ vom Verein „Pro Mariahilf-Kirche Luzern“ getragen. Gebetsanliegen sind hier also gut aufgehoben. Der Bischof von Basel stimmt der Aufnahme der Mariahilfkirche Luzern in den Kreis der Kirchen, die zum Gebetsnetz Maria Mutter Europas gehören, zu.“

Seit 2008 setzt sich ein kleines Team von überzeugten Katholiken für den Erhalt des Heiligtums ein. Zwei Priester und ein Diakon mit Unterstützung einiger weniger Frauen und Männer bilden das Rettungs-Team. Frau Dr. Elisabeth Camenzind, Gemahlin des Diakons Urban, welche Erste Vorsitzende des Vereins „Pro Maria Hilf Luzern“ wurde, setzten sich besonders für die Erhaltung und Wiedereröffnung der Kirche ein. Vor wenigen Monaten ist nun Elisabeth gestorben und erhielt ihr Grab unten in der Ursulinengruft. Hier sei Dank gesagt an S.E. Kurt Kardinal Koch und Bischof Felix Gmür, welche schützend ihre Hand über diese Entscheidung hielten. Und nun zur Festlichkeit der Verleihung des Ehrentitels „Maria Mutter Europas“ am Samstag, den 18. Juli 2020.
Festgottesdienst in Corona-Zeit

Die Glocken läuteten, auf dem großen Vorplatz der Kirche versammelten sich bei schönstem Sommerwetter die Gläubigen. Aus der Sakristei zogen wir zu sechst in liturgischen Gewändern zum Feste ein. Hauptzelebrant war P. René Klaus, Diakon Urban Camenzind, der Luzerner Stadtpfarrer Stefan Schmidt, zwei „Ministri“ aus dem Freundeskreis und ich als Gastprediger. Der Hauptaltar mit dem Maria-Hilf-Bild (erweitertes Lukas-Cranach-Bild) mit seinen vier schwarzen Marmorsäulen strahlte im Scheinwerfer-Licht, der Volksaltar war geschmückt mit einer Rosen-Borde, darunter das neue wertvolle und schmucke Fürbittbuch mit Goldschrift, daneben die erste große Votivkerze und darüber die zwölfte Emaille-Plakette „Maria Mater Europae“, jungfräulich blau mit zwölf goldenen Sternen. Durch die Liturgie führte Diakon Urban in gekonnt froher Art. Von der oberen Empore herab spielte eine Posaune alle Lieder mit, auch zwei Soli „Du großer Gott, wenn ich die Welt betrachte“ und „Ich gehe, wenn ich traurig bin, zur lieben Muttergottes hin“. Als das „Großer Gott“ gesungen wurde in Mehrstimmigkeit, ging ein Ergriffen-Sein sondergleichen durch die ganze Kirche. Es ist schön, katholisch zu sein. Jede zweite Bank musste ob der Corona-Vorschriften leer bleiben, in jeder Bank nur fünf Personen. P. Rene nahm die Segnung für die Emaille-Tafel mit einem eigens geschaffenen Weihegebet vor:

Maria, du Hilfe der Christen, Du Mutter Europas, wie die Jünger nach der Himmelfahrt sich um Dich versammelten und im gemeinsamen Gebet den Heiligen Geist empfingen, so mögen sich alle Menschen und Völker Europas um dich sammeln und in gläubigem Gebet verharren. Wir sind sicher, dass solchem Gebet der verheißene Heilige Geist geschenkt wirkt. Möge dieses Gebet besonders gepflegt werden in den Dir Mutter Europas geweihten Kapellen und Kirchen. Wir selber stellen uns ganz in Deinen Dienst. Gib, dass an Deiner Hand und unter Deinem Schutz Europa wieder christliches Land werde. Führe uns und viele auf dem Pilgerweg des Glaubens, auf dass wir das verheißene Ziel des Ewigen Lebens erlangen. Amen.

Ausklang: „Apero“ und „Leiter“ und „Schiff“

„Engel“ bedienten draußen auf dem Platz die Gläubigen mit belegten Brötchen, Lachs und Käse, Sekt und Wein, Sprudel und Wasser. Wieder gut katholisch: Leib- und Seele-Einheit. Eine Leiter wurde herangebracht, neben der Eingangspforte aufgestellt, ein „Könner“ befestigte die Emaille-Tafel „Maria Mater Europae“ unter dem Beifall aller Zuschauer an der Kirchenwand. Der Zwölfer-Bund ist damit vollendet, es leuchten die zwölf Sterne.

Nach dem Apero ging eine kleine Gruppe, der Freundeskreis der Kirche und vier Personen aus meinem Bekanntenkreis hinab zum See auf das Schiff-Restaurant „Wilhelm Tell“, wo wir das Festmahl einnahmen. Br. Urban thronte oben an der Tafel, nach meiner Bemerkung „wie ein König“, seine frohe, lachende Erwiderung aber: „Bin der letzte Stallknechti“. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden… Frieden, den wir Europa unter dem Schutz Mariens wünschen, zu Ehren ihres göttlichen Sohnes Jesus Christus.

Papst Franziskus: Die Schönheit des Rosenkranz entdecken

Gerade in der Corona-Zeit wollen wir eindringlich einladen, Traditionen häuslichen Gebets wiederzuentdecken, das in verschiedenster Form auch für Laien stattfinden kann. Hier seine Botschaft:

Liebe Brüder und Schwestern,
[…] Es ist […] Brauch, den Rosenkranz zu Hause in der Familie zu beten. Die Einschränkungen der Pandemie haben uns gezwungen, den häuslichen Aspekt zur Geltung zu bringen, auch unter geistlichem Gesichtspunkt. – Deswegen möchte ich alle einladen, wieder neu zu entdecken, wie schön es ist, zu Hause den Rosenkranz zu beten. Dies kann man gemeinsam tun oder für sich persönlich; zieht beide Möglichkeiten in Betracht und entscheidet, was in eurem Umfeld besser ist. Auf jeden Fall gibt es aber ein Geheimnis, wie man es machen soll: in Einfachheit. Und es ist leicht, gute Gebetsvorlagen, die man befolgen kann, zu finden – auch im Internet. […]
Liebe Brüder und Schwestern, wenn wir gemeinsam mit dem Herzen Marias, unserer Mutter, das Antlitz Christi betrachten, wird uns dies immer tiefer als geistliche Familie vereinen und uns helfen, diese Prüfung zu überwinden. Ich werde für Euch beten, insbesondere für diejenigen, die am meisten leiden, und Ihr betet bitte für mich. Ich danke Euch und segne Euch von Herzen.

Maria, Zeichen des Heils und der Hoffnung

O Maria, Du erstrahlst immer auf unserem Weg als Zeichen des Heils und der Hoffnung. Wir vertrauen auf dich, Heil der Kranken, der du unter dem Kreuz mit dem Schmerz Jesu vereint warst und fest deinen Glauben bewahrt hast. Du, Heil des römischen Volkes, weißt, was wir brauchen. Wir sind sicher, dass Du dafür sorgen wirst, dass wie zu Kanaa in Galiläa Freude und Frohsinn zurückkehren mögen nach dieser Zeit der Prüfung. Hilf uns, Mutter der göttlichen Liebe, uns dem Willen des Vaters anzugleichen und das zu tun, was Jesus uns sagen wird, der unser Leiden auf sich genommen und unseren Schmerz getragen hat, um uns durch das Kreuz zur Freude der Auferstehung zu führen. Amen.

U.I.O.G.D. (Damit in allem Gott verherrlicht werde)
Ihr/Euer P. Notker OSB