12 Sterne-Kurier Nr. 62/März 2019

Liebe Betende für ein christliches Europa,
Nicht nur im Südwesten Deutschlands, wo die schwäbisch-alemannische Fasnet zuhause ist, gingen die närrischen Tage zu Ende. Am Rhein wurde Karneval gefeiert und auch die Schweizer, Belgier, Ungarn und andere Länder in Europa und weltweit feiern Fastnacht. Leider ist eher wenigen bewusst, dass diese Zeit fest im Christentum verwurzelt ist.

War sie früher eine Mischung aus Obrigkeitskritik, Aberglauben und „Wegfesten“ verderblicher Lebensmittel vor der Fastenzeit, gehört sie heute zum lokalen Brauchtum, das alte Sagenfiguren und ihre Geschichten in Erinnerung halten. Allen Zeiten gemeinsam sind die Verkleidungen, in denen sich Menschen der Narretei hingeben, jemand anderes sein zu wollen, als man ist, Grenzen in der Unmäßigkeit zu übertreten und womöglich den Tod zu ignorieren. Doch spätestens am Aschermittwoch endet die Selbstverspottung und es beginnt Verzicht in der Fastenzeit zum Lob Gottes, zum Wohle des Nächsten und zum Heil der Seele. P. Notker predigt dazu:

„Asche zum Mitnehmen“

So steht es auf dem Aufsteller am Eingang einer U-Bahn-Station in New York. Asche zum Mitnehmen. Es ist gerade der Beginn der Fastenzeit, Aschermittwoch. In der Nähe des Schildes stehen ein paar Männer und Frauen, einige in liturgischer Kleidung, in weißen Chorhemden und einer lila Stola und halten eine Schale mit Asche in der Hand, bereit, den Leuten, welche vor sie hintreten, ein Aschenkreuz auf die Stirne zu zeichnen. So habe ich es gelesen. Einfach so im Vorübergehen. Ein Service, der jetzt schon einige Jahre in den USA angeboten wird. Eigentlich keine schlechte Idee. Eine missionarische Chance, Leute zu erreichen, die sonst nie in die Kirche kommen würden. Doch irgendwie fragwürdig für mich und sehr überraschend. Eine heilige Handlung so im Vorübergehen. Und viele bedanken sich, für den Moment der Einkehr bei Jesus, bei der Lebens- und Sterbensfrage. Thank you – Danke schön und verschwinden wieder im Trubel der Großstadt.

Lass die Leute sich setzen, so ruft Jesus im heutigen Evangelium den Jüngern zu. Sie sollen sich setzen, zu 50 und 50, oder einfach in Familiengruppen. Er sieht die Riesenmenge, die ihm zuhören will. Er nimmt wahr, die haben ja gar nichts zu essen dabei, und es will Abend werden. 5.ooo Männer, dazu noch die Frauen und Kinder. Es war dort nämlich viel Gras, am Berg der Brotverehrung. Jesus will, dass diese Menge von Menschen es sich erst einmal gemütlich macht. Nehmt Platz, und dann geschieht das Wunder; der Junge mit den fünf Gerstenbroten und den zwei Fischen. Dass es ausgerechnet Gerstenbrote sind, kann uns wieder an das Alte Testament erinnern, diesmal an Elischa. Auch zu ihm kam jemand mit Gerstenbroten und auch bei ihm sah es nach einer zu kleinen Menge aus und auch bei ihm blieb mehr als genug übrig. Was ist das für so viele? Dieser namenlose kleine Junge im Evangelium ist ungeheuer wichtig. Jesus braucht ihn. Ist es nicht auch so in unserer Glaubenswelt: Was da ist, was wir haben, was uns immer mehr noch zwischen den Fingern verrinnt – einfach zu wenig. Es kann aber dennoch zum Grundstock werden überfließender Fülle: wenn wir es Jesus anbieten, wenn wir loslassen vom Inhalt unseres kleinen Beutels, wenn wir es hinhalten mit der Bitte, dass er das Seinige dazu tut, wenn wir es hergeben. Ich möchte nicht so sehr auf das „wie“ der Situation damals eingehen, ist ja sowieso nicht verständlich, der Evangelist sagt nur lapidar: Alle wurden satt und Körbeweise wurde noch der Restbestand eingesammelt. Nicht nur das Wunder der Brotvermehrung, sondern auch das Wunder des Zeit – füreinander – Habens, das Wunder der Begegnung ist an diesem Abend geschehen.
Tausende. Das wird oft dabei übersehen.

Dies Wunder geschieht auf kleine Weise schon im Alltag auch bei uns. Zwei Personen begegnen einander auf der Straße und beginnen ein Gespräch miteinander. Dann gehen sie vielleicht sogar in die nahe gelegene Eisdiele oder an den Stammtisch. Es geschieht Austausch. Zeit füreinander haben. Auch am Telefon. Hört sie denn gar nicht auf? Und nach 20 Minuten entsteht ein gutes Gespräch. Ebenso braucht es seine Zeit, bis ich mit Gott ins Gespräch komme, sei es im persönlichen Gebet oder im Gottesdienst. Zeit für die Ruhe bei Jesus haben. Wichtig, sehr wichtig. Die Einladung Jesu passt immer noch: Setzt euch erst einmal hin. Kommt zur Ruhe. Oft gar nicht so einfach. Bis die Kinder am Sonntag in der Früh aus dem Bett kommen, dann das Frühstück und dann die Fahrt in die Kirche. Und innerhalb der Woche, wo soll ich denn da zur Ruhe kommen? Bei Edith Stein, der großen Jüdin, die mit Beuron so fest in Kontakt war, las ich einmal: Wenn keinerlei äußere Ruhe zu erreichen ist, wenn man keinen Raum zum Rückzug für sich hat, dann flüchte direkt zum Herrn. Er ist immer da und kann uns in einem einzigen Augenblick geben, was wir brauchen. Sie rät ganz praktisch, eine kurze Zeit vor dem Tabernakel alle Sorgen auszuschütten. Ich muss sagen, dass ich mich jedes mal freue, wenn ich hier in unsere so schlichte Kirche komme und einzelne Menschen kniend oder sitzend vorfinde. Da gönnt sich jemand die Zeit, ein Radfahrer, ein Gast aus einem der Klosterkurse, ein Wanderer, um einfach da zu sein vor IHM, der da ist im Tabernakel unter der Gestalt des Brotes. Und wenn Sie nicht so oft in die Kirche gehen können? Denen empfiehlt Edith Stein „eine Atempause im eigenen Zimmer“. Ein guter Tipp. Zur Ruhe kommen. Vielleicht haben Sie sich wie viele andere sogar eine Gebetsecke eingerichtet, die Sie einlädt, vor einem Kreuz mit einem Palmzweig oder einer Ikone still zu verweilen. Maria und die heiligen Engel. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Das tut einfach gut. In Fortführung zum Evangelium, wo Jesus mit seinen Jüngern zum Ruhe-Finden in ein Boot steigt, bietet er nun den Tausenden das Brot und das Ruhe-Finden an. Beides.Asche für Zuhause – ob ich so zur Ruhe finde? Ob ich so zu Jesus finde? Das muss ich mir noch genauer überlegen. Aber: Still ruht meine Seele in mir – danach sehne ich mich schon und danach sehnen sich viele Christen, viele Menschen. Asche für zuhause, Asche für Dein Finden zum Ruhen in IHM, Asche zum Bleiben an der Seite des Heilands. Asche als Zeichen meiner feurigen Liebes-Sehnsucht nach IHM. Asche zum Mitnehmen…“

Rückkehr zu den Sakramenten

Wie können wir schon zu Lebzeiten diese Ruhe in IHM finden, die der heilige Augustinus so eindringlich beschrieben und beschworen hat? Die „Asche zum Mitnehmen“ ist hier ein legitimes Mittel, einen Anfang zu finden, den „Faden Gottes“ aufzugreifen. Die weiteren Schritte bestehen im Weg zu den Sakramenten, in denen wir Anteil erhalten am ewigen Leben, wie es uns Gott im Leiden und der Auferstehung Christi geschenkt hat. Eine wichtige Rolle spielt hier das Sakrament der Versöhnung. Die Beichte trägt bei zur Gewissensbildung und dem Empfang der anderen Sakramente, insbesodere der Eucharistie, die uns die Ruhe in IHM schenken kann. Die Wege dorthin sind vielfältig, einen unter den vielen Möglichkeiten bietet der folgende Beichtspiegel, der sich in drei Kreisen an den zehn Geboten orientiert und den wir den Gläubigen im persönlichen Gebet in der Fastenzeit anvertrauen:

Beicht-Spiegel: Gewissens-Erforschung in drei Kreisen

Am Abend des Auferstehungstages erschien Jesus den Aposteln und sprach zu ihnen: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Nach diesen Worten hauchte er sie an und sprach: „Empfanget den Heiligen Geist! Denen ihr die Sünden nachlasset, denen sind sie nachgelassen, und denen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten“ (vgl. Joh. 20,19-23).
Kreis I: GOTT
Von den zehn Geboten die drei ersten:
1. Keine fremden Götter
2. Seinen Namen nicht missbrauchen
3. Seinen Tag heiligen
Welche Stellung hat Gott in meinem Leben?
Ist mein Reden über Gott ehrfürchtig?
Ist Gott wirklich die Mitte meines Seins, meiner Zeit, meiner Existenz?
Kreis II: Der NÄCHSTE
Die Gebote vier bis acht – sie betreffen direkt oder indirekt die Mitmenschen an meiner Seite
4. Vater und Mutter ehren, die Geschwister achten, helfend da sein
5. Nicht morden: Klar! Aber auch kein Rufmord und keine Selbstschädigung
6. Nicht Versprechen brechen: Treu sein dem gegebenen Wort
7. Nicht stehlen. Eigentum achten, mit dem Gegebenen zufrieden sei
8. Kein böses Wort, keine schlechte Anekdote über einen Mitmenschen
Abneigungen mit betender Nächstenliebe überwinden
Kreis III: ICH SELBST
Neuntes und zehntes Gebot – in sich selbst geborgen bleiben
9. Nicht begehren. Die eigene Verfasstheit immer wieder Gott übergeben
10. Die Gaben und Stellung des andern anerkennen und akzeptieren
Die Reinheit des Herzens und meines Seins bewahren
Nicht neidisch, geizig, hoffärtig, überheblich, herrscherlich, stolz sein
Die eigenen Charismen dankbar sehen und entsprechend handeln
Aufbauen, nicht abbauen, den andern, die eigene Gemeinschaft loben
Zufrieden, dankbar, ruhig, Endziel-ausgerichtet leben, ora et labora

U.I.O.G.D. – Ut in omnibus glorificetur DEUS

In Jesus + Maria + Josef
Ihr/Euer P. Notker