12 Sterne um Maria Mutter Europas

12 Sterne-Kurier Nr. 78/Februar 2021

Es gehört zu den alten Tatsachen, die uns Gott in der Schöpfung vermittelt, dass der Wechsel von Frost und Hitze in den Jahreszeiten ein wesentlicher Teil der Schöpfung ist. Und auch wenn uns vieles in

Es gehört zu den alten Tatsachen, die uns Gott in der Schöpfung vermittelt, dass der Wechsel von Frost und Hitze in den Jahreszeiten ein wesentlicher Teil der Schöpfung ist. Und auch wenn uns vieles in diesen Tagen starr und kalt vorkommen mag und wir den Frühling herbei sehnen, so ist diese Zeit wichtig. In ihr wird die Ernte angelegt, sie reift unter dem sichtbaren Bereich vor. Unser Gebetsverbund befindet sich aktuell auch eine Ruhephase, um sich neu orientieren zu können, nachdem der Kranz der 12 Sterne nun vollständig ist. In diese Zeit fällt auch der Umzug von P. Notker.

Pater Notker in Beuron angekommen

Am 11. Januar war es soweit: P. Notker ist vom Kloster Engelthal, wo er sechseinhalb Jahre als Spiritual verbracht hat, in das Kloster in Beuron zurückgekehrt. Vater Erzabt Tutilo und Subrior Br. Petrus sind gemeinsam nach Engelthal gefahren, um P. Notker, seine Habseligkeiten und sein kleines Auto ins Donautal zu bringen. Die Fahrt über 350 km wäre doch etwas lang gewesen, um alleine in das Heimatkloster zurück zu fahren.

Durch unseren Weihnachtsbrief hatte sich schnell herum gesprochen, dass P. Notker nach Beuron zurückkehrt. Der genaue Tag war damals aber noch nicht bekannt und so erkundigten sich schon nach Epiphanie via Telefon die ersten bei seinem Helfer. Auch lagen bei P. Notkers Ankunft schon die ersten Schreiben in seinem neuen Zimmer. Eines davon stammt von Werner Schmid-Lorch, einem langjährigen Begleiter und Gönner des Klosters. Für viele Jahre ordnete er die Geschäfte des Freundeskreises der Erzabtei Beuron. „Herzlich Willkommen für Sie“, heißt es da, „wir sind sehr glücklich darüber“.

In seinem Antwortschreiben ging P. Notker nochmals auf die letzten Tage in Engelthal und das Ankommen in Beuron ein: „Den Abschied von Engelthal gestalteten die Schwestern in großer Würde und Innigkeit. […] Viele baten mich nochmals um den Segen. […] Zum Autofenster heraus winkte ich nochmals allen zu, Sr. Maria Magdalena machte laufend Schnappschüsse“. […] In Beuron angekommen legte ich mich zunächst eine Stunde hin, denn meine Seele war noch nicht nachgekommen. Am Nachmittag fuhr ich einfach auf den Gnadenweiler, streichelte in der Kapelle unsere Maria Mutter Europas und das göttliche Jesukind und konnte fast nicht glauben, dass ich diese Kapelle erbauen durfte. […] Beim Abendessen sah ich dann meine Mitbrüder in großer Freude, einige auch mit Corona-Distanz, in allem sei gepriesen der Herr. Dies ist mein erster Brief aus Beuron seit sechseinhalb Jahren. Lob und Ehre sei dem Herrn, der mich nie verließ.“

Der Weg geht weiter

Auch wenn P. Notker im 80. Jahr seines Lebens steht und so manche Aufgabe den Schwächungen des Alterns weichen muss, bleibt er dennoch wach und nutzt seine Zeit für die Teilnahme an Gottesdiensten, für Organisatorisches oder für Besuche. Zugleich behält er seine schriftstellerische Tätigkeit bei. Damit verbunden ist auch der Gedanke, persönlich zur Fortsetzung des Projektes Maria Mutter Europas beizutragen. Derzeit widmet sich P. Notker vornehmlich Erinnerungen, Anekdoten, Aphorismen und anderen Kurztexten, die sich aus den Erlebnissen der letzten knapp 57 Klosterjahre ergeben haben. Mal erzählen sie eher Banales, Alltägliches, andermal deuten sie ganz unmittelbar den himmlischen Heilsplan des Herrn an. Eine dieser Miszellen ist dem seligen Heinrich Seuse gewidmet, einer der bekannten mittelalterlichen Mystiker, der in seiner oberschwäbischen Heimatregion zwischen Bodensee und Donau einerseits gebunden blieb, andererseits immer am Rand der Ständegesellschaft, seiner Gesellschaft des 14. Jahrhunderts gelebt hat. P. Notker beschreibt ihn so:

Symbolsprache der Seele

Ja, eine Symbolsprache der Seele gibt es. Stark habe ich es beim seligen Heinrich Seuse immer empfunden. Er war aus Überlingen am Bodensee, er nannte sich im Geschlecht nach seiner Mutter, die ihm in religiöser Hinsicht näher stand als der adelige Vater. Er trat jung, 13-jährig, bei den Donıinikanern in Konstanz ein und wurde einer der berühmtesten Mystiker des Ordens neben Tauler und Meister Eckhart.

Da er als Lehrer des Nachwuchses oft Meister Eckhart zitierte, der damals schon etwas in Ungnade verfallen war, wurde er selbst nicht zur Weiterbildung nach Köln und Paris geschickt, blieb also ein „kleiner“ Exerzitienmeister und Vortragslehrer vor den fraulichen Klostergittern im süddeutschen und heutigen Schweizer Bereich, ging den Leidensweg des mitbrüderlichen Neides und der Verleumdung und wurde schließlich nach Ulm versetzt, wo sich seine Spuren letztlich verlieren. Seine Schriften aber überdauerten…

Eines Tages sah er im Klaustrum einen Hund mit einem Tuchfetzen spielen. Dieser warf den Fetzen immer wieder in die Höhe, biss hinein und zerrte an ihm herum, riss Löcher hinein und ließ ihn schließlich einfach im Dreck des Hofes liegen. Seuse ging hinunter in den Hof und holte den Tuchfetzen, um ihn in seiner Zelle beim Kreuz aufzuhängen, indem er sagte: Wie dieser Tuchfetzen behandelt wurde, so werde ich zur Zeit behandelt, ich will nicht klagen und mich nicht wehren, ich will einfach Dein Tuchfetzen sein.

Wie der Tuchfetzen bei Seuse, so sind auch mir einige Symbole nahe aus Liebe zum gekreuzigten Heiland: Eine Schürze zu tragen mit Sicherheitsnadeln auf der Brust, Spottkleid; die Lätzchen mir umbinden lassen bei verschiedenen Situationen, z.B. beim Essen bei Familien oder in Altersheimen, die Tonsur oder gar die Corona schneiden zu lassen, den Haarkranz um den Kopf, obwohl niemand mehr diese altehrwürdige Mönchsfrisur trägt, einfach aus Liebe zum dornengekrönten Heiland und auch die spöttischen Bemerkungen aushalten, Symbole der Seelenliebe zu Jesus Christus, meinem Seelen-Bräutigam…

Notre Dame du Schauenberg

Von unseren französischen Freunden aus Pfaffenheim mit dem Wallfahrtsort Notre Dame du Schauenberg freuen wir uns über einen schönen Weihnachtsbrief. 2019 hat uns viel Verzicht abverlangt. Eine Wallfahrt im Mai musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Präsident Bernard Jaeggy schreibt in seiner Weihnachtspost in bewundernswertem Deutsch über die Wallfahrtskirche Notre-Dame du Schauenberg, wo „sich vieles verändert hat. […] Eine neue Orgel Tribüne trägt jetzt die restaurierte Callinet-Orgel. Leider konnten wir das Instrument [bis heute] nicht einweihen. […] Die Kapelle ist auch total renoviert. Ein neuer Kreuzweg hängt an der Wand und zwei wunderschöne Gemälde sind nach langer Restaurierung wieder in der Kapelle. Das Schild der Gebetsgemeinschaft grüßt jetzt jeden Pilger am Eingang in die Kapelle. […] Sicher ist, dass wir die Seite 2020 nicht in unser Goldenes Buch legen werden. Leider fängt 2021 nicht besser an. Mögen uns der liebe Gott und die Gottesmutter Maria helfen, dass wir diese Pandemie bewältigen können. […] In frommen Gedanken wünschen wir Ihnen allen ein recht schönes und gesundes neues Jahr.
Bernard Jaeggy, Präsident des Verwaltungsrat Schauenberg“.
Möge uns die beharrliche Beständigkeit unter dem Schutz von Notre-Dame du Schauenberg helfen, die Zeit bis zu neuen Begegnungen zu bestehen!

Aglona/Lettland

In den vergangenen 12 Jahren gab es ja immer wieder Kontakte, aus denen – so Gott will – ein neues Mitglied für unseren Gebetsverbund entstanden ist oder in Zukunft eines werden könnte. Wir lassen es derzeit offen, ob sich weitere Marienstätten dem Verbund Maria Mutter Europas anschließen. Es gab dazu in den letzten Jahren immer wieder teils weit gediehene Gespräche, die einerseits zum aktuellen Verbund der 12 Sterne für den Frieden geführt haben, andererseits noch nicht zur Vollendung eines Beitritts geführt haben, den wir in der Zusammenkunft der bischöflichen Bestätigung und der liturgischen Segnung vor Ort ausmachen. Einer dieser Kontakte betrifft die Basilika im lettischen Aglona. Dieser Wallfahrtsort ist in Mitteleuropa zwar nicht so sehr bekannt, seine Bedeutung lässt sich jedoch leicht verdeutlichen. Schließlich gehört die Basilika minor in Aglona zu den weltweit wenigen acht Kirchen, die sich Sanctuarium Internationale (Internationales Heiligtum) nennen dürfen. Diesen Ehrentitel kann nur ein Papst vergeben. P. Notker steht seit längerem in Kontakt mit Dominikanerinnen, welche die Marienwallfahrt in Aglona mitbetreuen. Namentlich mit Sr. Marjolein Bruinen OP von der UCESM, der europäischen Vereinigung katholischer Orden in Brüssel. Unser Buch über den 12 Sterne-Kranz Maria Mutter Europas hat sie an eine Mitschwester weiter gereicht mit den Worten: „Ich hoffe, dass Ihr den Segen, der hiervon ausgeht, auch in Aglona bringen könnt!“ Wir bleiben gespannt.

Corona-Chance: Altes und Neues entdecken

Eine Folge der Corona-Pandemie ist die Verhinderung, Kinder für die Erstkommunion in der Kirchengemeinde vorzubereiten. Deshalb greifen viele Gemeinden auf die alte Tradition zurück, dass der Unterricht zu Hause von den Eltern gestaltet wird. Die Kirchengemeinden stellen hierfür selbstverständlich die Materialien zur Verfügung, aber es gibt auch die Möglichkeit, sich malerisch der Bibel und der frohen Botschaft anzunähern.

P. Notker hat sich die Zeit genommen, das Motiv der drei biblischen Tauben, die in Gestalt einer Taube an der Frontseite der Kapelle Maria Mutter Europas in Glas geätzt wurde, mit Simon (8) und seinem Vater Stefan zu malen und dazu die Bibelstellen nachzuerzählen. Wer schon einmal auf dem Gnadenweiler an unserer Stammkapelle Maria Mutter Europas war, kennt sie bestimmt.

Die Gnadenweiler Tauben: Symbol der Liebe und des Friedens

Die dreigestaltige Taube gibt – in Glas geätzt – der Liebe Gottes in diesem Symbol des Friedens eine moderne Gestalt und greift die drei Bibelstellen mit Tauben in der Bibel auf:
1. Die bekannteste stammt zweifelsohne aus dem Evangelium der Taufe Jesu durch Johannes (Mk 1,9-11), nach der sich der Himmel auftut und der Geist wie eine Taube auf den Gottessohn herabkommt, begleitet von einer Stimme: „Du bist mein geliebter Sohn, an Dir habe ich Wohlgefallen gefunden“. Die personale Liebe zwischen Vater und Sohn in Gestalt der Taube schaffen den dreifaltigen Gott und machen die Taube zum Zeichen der göttlichen Liebe zwischen Vater und Sohn.
2. Ebenfalls sehr bekannt ist die Bibelstelle mit der Arche und der zu rettenden Artenvielfalt, als Noah während der Sintflut mehrfach eine Taube aussendet, um auf der überfluteten Erde mögliche Landpartien zu finden (1 Mo 8,1-19). Zunächst fand die Taube kein Land und kehrte zurück. Nach sieben weiteren Tagen (der strapazierten Geduld) setzte Noah die Taube erneut aus und siehe da: sie kam mit einem frischen Ölzweig zurück. Dies bedeutete, dass die Sintflut zurück gegangen war. Es ist Ausdruck der Liebe Gottes zu den Menschen und der Versöhnung mit der Schöpfung.
3. Die dritte, in unserem Bild mittlere, Taube stammt aus dem Hohelied der Liebe, das die Liebe Gottes als gegenseitige Liebe und Sehnsucht unter den Menschen rühmt. Die Taube ist hier immer wieder Allegorie der Eheleute. In Hld 1,15 wird die Schönheit der Gattin gerühmt, ihre Augen sind wie Tauben. In Hld 2 ist ihre Stimme der Turteltaube zu hören, die der Liebende trotz ihrer Verborgenheit sieht: „Meine Taube in den Felsklüften, im Versteck der Klippe, dein Gesicht lass mich sehen, deine Stimme hören!“ (Hld 2,14). Auch sie bewundert und besingt ihn: „Seine Augen sind wie Tauben an Wasserbächen, gebadet in Milch, sitzend am Wasser“ (Hld 5,12).

Bleibt auch Ihr in der Liebe.
In Jesus + Maria + Josef
Ihr/Euer dankbarer P. Notker OSB