PP. Franziskus weiht die Gottesmutter von Fatima

12 Sterne-Kurier Nr. 82: Ostern 2022

Haben Sie die Fastenzeit gut verbracht? Die Zeiten sind belastend, einerseits durch Corona, andererseits durch die politischen Konflikte und den Krieg in der Ukraine, der so viele Unbeteiligte trifft und große Leiden bringt. Soll man da noch fasten? Ja, rufen wir Ihnen zu, denn das Fasten kann uns in den Kern unseres christlichen Glaubens zurück bringen.

Der Aufruf zu Umkehr und Buße hinterfragt unseren Alltag

Die Tafeln der 10 Gebote

Wir sind aufgefordert, zugunsten unserer Gottesbeziehung auf etwas zu verzichten, was uns auch „ein wenig weh tut“ und gleichzeitig die Freude darin zu entdecken, zu den Geboten Gottes zurückkehren zu können.

P. Notker schreibt und malt gerade wieder an einem kleinen Büchlein. Er erinnert darin an die Bedeutung und Kraft der Sakramente, die doch letztlich Mitte und Herz der Kirche Jesu‘ bilden und beständig erneuern. Das Beichtehören und spenden des Versöhnungssakraments gehört zu P. Notkers wichtigsten Tätigkeiten, die er nach wie vor im Kloster Beuron in der Seelsorge der Menschen anbietet.

Neues Büchlein über die Sakramente

Im neuen Büchlein „Sieben Sakramente“ schreibt P. Notker darüber:

„Heute bin ich wieder Beichtvater. Wieder Hereinbruch des Himmels in das kleine Beichtzimmer. Auch ich gehe heute Morgen noch zu einem Mitbruder, zu meinem Beichtvater, um mein Herz sakramental zu reinigen. Welche Freude, welche Gnade. Die ganze Sünden-Tafel wird einfach durch Jesu Blut ausgewischt. Ein reines Herz wie zu meiner Taufe, wie zu meiner Erst-Beichte und Erst-Kommunion.Unser Leben entwickelt und verändert sich innerhalb bestimmter, oft längerer Zeiträume und Phasen. Auch Umkehr ist nicht statisch, sondern ein dynamischer Prozess, der sich in mehreren Schritten entfaltet: Wenn ich mein Gewissen erforsche, nehme ich eine Standortbestimmung vor, die Klarheit über mein Tun und Lassen, über meine Motive und Ziele gibt. Ich horche auf mein Innerstes und spüre der Stimme in mir nach, der Stimme meines Gewissens. Denn im Inneren seines Gewissens entdecken Menschen ein Gesetz, das er sich nicht selbst gibt, sondern dem er gehorchen muss und dessen Stimme ihn immer zur Liebe und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen aufruft. Das Gewissen ist die verborgene Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist. Jeder Mensch hat die zwei Gesetzestafeln vom Sinai in sich.“

Die Erlösungs- und Versöhnungsbotschaft im Opfertod Jesu‘ am Kreuz zeigt uns auch das Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren von 1503. Es führt uns nicht nur dramatisch und in ungewöhnlicher Perspektive die Ereignisse und Leiden um den Kreuzigungstod Jesu vor Augen, sondern auch Trost für seine Mutter Maria und seine Nachfolgenden sowie Versöhnung mit Gott bis zuletzt, was im guten Schächer zum Ausdruck kommt.

„Hilfe ist unsere Mission“

Buße und Versöhnung stehen auch in der Fastenzeit im Mittelpunkt. „Ihr wollt Gerechtigkeit, aber Ihr bekommt Barmherzigkeit“, lautet eine der Botschaften der Umkehr und Buße. Sie ist getragen von der Liebe Gottes, die immer das Größte bleibt und unsere Herzen reinigt. Dies geschieht auch, indem wir gute Werke tun – beispielsweise durch Almosen, die wir Bedürftigen geben.

Der Krieg in der Ukraine dominiert derzeit unser Leben. Sie alle kennen die Bilder aus den Nachrichtenkanälen. Auch in den Gemeinden wird Solidarität mit den Menschen in der Ukraine durch die Gestaltung von Friedensbotschaften ausgedrückt wie die abgebildeten Hände der Erstkommunionkinder in Kreenheinstetten, einer Nachbargemeinde bei Beuron und Gnadenweiler.

Der Krieg in der Ukraine ist ein Stich ins Herz unseres Gebetsverbundes Maria Mutter Europas. Denn Charkiw, die vermeintlich „russischste Stadt der Ukraine“ und in ihr die Bischofsgemeinde mit der Kathedrale gehört zu uns. Auch das Bischofshaus wurde von Bomben getroffen. Im Vergleich mit vielen Wohnhäusern sind die Schäden jedoch vernachlässigbar. Das Ordinariat der Diözese Charkiw-Saporischschja musste sich komplett umstellen. Bischof Pavlo Honcharuk und Pfr. Wojciech Stasiewicz, Leiter der Caritas des Bistums, die polnischen Schwestern und mit ihnen viele freiwillige Helfer bleiben in Charkiw und unterstützen die notleidende Bevölkerung.

„Hilfe ist unsere Mission“ – so beschreibt Bischof Pavlo die neuen Aufgaben der Verantwortlichen in der ganz im Osten Europas gelegenen katholischen Gemeinde in Charkiw. Dafür haben die Helfenden seit Kriegsbeginn ihre Suppenküchen und anderen festen Einrichtungen aus Sicherheitsgründen verlassen und helfen mobil in den zerbombten Wohngebieten. Oder sie besuchen Bedürftige in den U-Bahn-Stationen. Viele von den zurück gebliebenen Frauen, Kindern und alten Menschen leben mittlerweile unter der Erdoberfläche auf den Bahnsteigen und in U-Bahn-Waggons, um sich vor Bomben und Kälte zu schützen. Wir bewundern das karitative Zeugnis von Bischof Pavlo und allen Helfenden in Charkiw und fühlen uns in unserem Glauben durch ihr Zeugnis bestärkt.

Ihre Spenden für Maria Mutter Europas

Gleich zu Beginn des Krieges haben wir einen Nothilfe-Aufruf gestartet, um unseren Schwestern und Brüdern des Gebetsverbundes Maria Mutter Europas in Charkiw zu unterstützen. Es ist klar, dass wir im Vergleich mit den großen Hilfsorganisationen nur einen kleinen Beitrag leisten können. Stattdessen haben wir versucht, aus der Kraft unserer Gemeinschaft dafür Sorge zu tragen, dass Hilfe unkompliziert, zielgerichet und vollständigt ankommt. Zwar bleiben Risiken, dass Transporte wegen Pannen oder militärischen Übergriffen nicht ankommen, aber wegen dieser Gefahren auf Hilfe zu verzichten, wäre noch sinnloser.

Trotz der schwierigen Umstände kam aus unserem Umfeld ein Betrag von knapp 8000.- Euro zusammen. Bei der Verwendung des Geldes kam erneut unser Gebetsverbund zu Hilfe. Denn Pf. Michal Ludwig, unser Ansprechpartner um die Maria Mutter Europas von Opole, macht derzeit ein Zweitstudium in Lublin. Die ostpolnische Stadt liegt in der Nähe der ukrainischen Grenze. Von hier aus wird über die Caritas vor Ort die Hilfe für Charkiw organisiert. So konnten wir schnell die Gaben nach Polen überweisen, wo sie bedarfsorientiert für Hilfstransporte nach Charkiw eingesetzt werden. Wir danken allen Unterstützen für Ihre Großherzigkeit, die uns überwältigt und beeindruckt hat. Bitte besuchen SIe auch unsere Internetseite, wo wir regelmäßig berichten.

Der Krieg und die Botschaft von Fatima

Trotz der karitativen Hilfe und der Solidarität für Charkiw und die gesamte Ukraine, möchten wir auch unsere Stimme für unseren Verbundpartner in Russland erheben. Pfr. Erich Maria Fink lebt nach wie vor in seiner Gemeinde in Beresniki, wo die Fatima-Kirche in Rebinina in der östlichsten katholischen Gemeinde in Europa zum Verbund Maria Mutter Europas gehört. Auch dort herrschen Druck und Ängste. Dennoch betet die russische Gemeinde für Charkiw und die Ukraine.

Umso mehr begrüßen wir die – in Deutschland leider wenig aufgegriffene – Initiative von Papst Franziskus, die Ukraine und auch Russland dem unbefleckten Herzen der Gottesmutter von Fatima zu weihen. Durch diesen Weiheakt hat er die geistliche Einheit der Christenheit in Europa betont und das Schicksal des Alten Kontinents an die Botschaft von Fatima zu binden, das so eng mit dem Gebet des Rosenkranzes und damit der Gebetsgemeinschaft Maria Mutter Europas verbunden ist. In diesem Sinne predigt P. Notker zu Ostern:

Halleluja, Jesus lebt, Jesus lebt, Halleluja, Jesus lebt!
Segen und Gnade vom Auferstandenen Herrn und Heiland Jesus Christus. Erstanden durch Kreuz und Leid, durch Tod und Dunkelheit des Grabes, am Dritten Tag in aller Frühe; Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel, alles überwunden für alle Ewigkeit. Das gibt uns Trost und Zuversicht in der persönlichen Frage nach Sinn und Licht in all unser gegenwärtigen Enge:
Während ich diese Gedanken aufschreibe, ist Sonntag „Laetare“, in der Mitte der vor-österlichen Quadragesima: von uns 28 Mönchen, die im Kloster Beuron leben (fünf weitere sind dauernd auswärts eingeteilt), sind 18 Corona-infiziert. Die Kirchenpforte ist geschlossen, die Klosterpforte ist geschlossen, kein gemeinsames Offizium mehr, kein gemeinsamer Tisch, alle laufen mit Mund-Nasen-Schutz-Maske herum, den Quarantäne-Bereich darfst natürlich niemand betreten. Viele sind nervlich aufgeladen. Dasselbe nicht nur in unseren „kleinen Welt“, nein, auch in der großen politischen, wirtschaftlichen und militärischen Wirklichkeit: siehe Ukraine-Krieg. Bischof Pavlo aus Charkiw hat an unsern Gebetskreis geschrieben mit der Bitte um geistige und materielle Hilfe für seine Diözese. Die Hilfsbereitschaft ist groß. Erzbischof Robert Zollitsch hat auf das Flehgebet des Rosenkranzes ausdrücklich hingewiesen, spontan kamen bis jetzt auch aus unserm Kreis fast 8.000.- Euro zusammen. Vergelt‘s Gott! Auch Pfr. Erich Maria Fink schrieb dazu in der Zeitschrift „KIRCHE heute“ einen ausgezeichneten Artikel. Die Leidenszeit endet einmal, dann folgt die Auferstehung. Wenn ich den dornengekrönten Heiland anschaue und sein Kreuz auf seiner Schulter auf seinem Weg hinauf nach Golgatha, dann ist an das Oster-Leuchten fast nicht mehr zu hoffen. Und dennoch: Palmsonntag, Gründonnerstag mit der weißen Sklavenschürze, dem Knien vor seinen Jüngern, dem Abendmahl: Nehmt und esst, das ist mein Leib; nehmt und trinkt: Das ist mein Blut! Und dann ging er hin zu sterben mit Blutschwitzen, Geißelung, Dornenkrönung, Via dolorosa, Annagelung, Kreuzigung, „Mich dürstet“, „Siehe da deine Mutter“, „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun“, „Eloi, Eloi“, „Warum hast du mich verlassen?“, „Es ist vollbracht“, und er neigte sein Haupt und gab seinen Geist an den himmlischen Vater zurück.
Frohlocket, ihr Chöre der Engel, frohlocket, ihr himmlischen Scharen, lasset die Posaune erschallen, preiset den Sieger, den erhabenen König! Lobsinge, du Erde, überstrahlt vom Glanz aus der Höhe! Licht des großen Königs umleuchtet dich. Siehe, geschwunden ist allerorten das Dunkel.
Auch du freue dich, Mutter Kirche, umkleidet von Licht und herrlichem Glanze! Töne wider, heilige Halle, töne von des Volkes mächtigem Jubel. Er hat für uns Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat. Gekommen ist das heilige Osterfest, an dem das wahre Lamm geschlachtet ward, dessen Blut die Türen der Gläubigen heiligt und das Volk bewahrt vor Tod und Verderben. Dies ist die Nacht, die unsere Väter, die Söhne Israels, aus Ägypten befreit und auf trockenem Pfad durch die Fluten des Roten Meeres geführt hat. Dies ist die Nacht, in der die leuchtende Säule das Dunkel der Sünde vertrieben hat. Dies ist die Nacht, die auf der ganzen Erde alle, die an Christus glauben, scheidet von den Lastern der Welt, dem Elend der Sünde entreißt, ins Reich der Gnade heimführt und einfügt in die heilige Kirche. Dies ist die selige Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach und aus der Tiefe als Sieger emporstieg. Wahrhaftig, umsonst wären wir geboren, hätte uns nicht der Erlöser gerettet. O unfassbare Liebe des Vaters: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin! O wahrhaft heilbringende Sünde des Adam, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. O Glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden. O wahrhaft selige Nacht, dir allein war es vergönnt, die Stunde zu kennen, in der Christus erstand von den Toten.
Dies ist die Nacht, von der geschrieben steht: „Die Nacht wird hell wie der Tag, wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben.“
Liebe Schwestern und Brüder, lest einmal das ganze „Exsultet“ aus der heiligen Osternacht, dann wird es euch sicherlich ebenso ergehen wie mir, – trotz allem Weh in mir und um mich herum – „Wie strahlendes Licht wird die Nacht mich umgeben“.

Dies strahlende Licht wünsche ich euch allen zum hochheiligen Osterfest 2022

In Jesus und Maria und Josef
Euer P. Notker OSB
Abb.: Lucas Cranach d.Ä.: Auferstehung (1537), Jagdschloss Grunewald, Quelle: Wikimedia, Autor: anagoria, lizensiert unter Public Domain